Gewächshaus Temperatur & Luftfeuchtigkeit | Schweiz Guide

der Schweiz • Gewächshaus-Klimaguide • Bloomcabin Journal
Gewächshaus-Temperatur & Luftfeuchtigkeit: der große Leitfaden
Ideale Bedingungen nach Kultur, Jahreszeit und Tageszeit – mit VPD, Taupunkt, Kondensation, Lüftung, Beschattung und Sensorplatzierung für Gärtnerinnen und Gärtner in der Schweiz.
Das Klima unter Glas
Ein Gewächshaus ist nicht einfach „wärmer als draußen“. Es ist ein kleines Klimasystem, das sich im Tagesverlauf ständig verändert.
Sonneneinstrahlung kann die Luft im Gewächshaus innerhalb kurzer Zeit deutlich über die Außentemperatur erwärmen. Pflanzen geben gleichzeitig über Transpiration Wasser an die Luft ab. Gegen Abend kühlen Glas, Aluminiumprofile und Blätter wieder aus, die relative Luftfeuchtigkeit steigt und einzelne Oberflächen können den Taupunkt erreichen. In der Schweiz unterscheiden sich Mittelland, Wallis, Tessin und Höhenlagen stark. In warmen Tälern ist sommerliche Überhitzung ein echtes Thema, während höher gelegene Gärten besonders von der Nachtwärme und Saisonverlängerung profitieren.
Deshalb bedeutet gutes Gewächshausmanagement, Zusammenhänge zu steuern statt nur einen Thermostatwert. Temperatur beeinflusst Photosynthese, Atmung, Blüte und Fruchtansatz. Luftfeuchtigkeit beeinflusst Transpiration, Nährstofftransport, Bestäubung, Krankheitsdruck und Kondensation. Luftbewegung verändert die Grenzschicht am Blatt, Bewässerung verändert die Feuchte, und Beschattung verändert Blatt- und Lufttemperatur.
Für Hobbygärtner ist das Ziel praktisch: ein stabiles, reaktionsfähiges Mikroklima schaffen, das zur tatsächlichen Kultur passt. Salat und Jungpflanzen brauchen andere Bedingungen als Tomaten, Gurken oder Paprika. Auch innerhalb Schweizer Regionen unterscheiden sich warme Niederungen, Stadtgärten, Höhenlagen und exponierte Standorte deutlich.
Wer ein neues Gewächshaus plant, sollte Klimasteuerung bereits bei der Konstruktion mitdenken. In der Bloomcabin Gewächshaus-Auswahl für der Schweiz lohnt es sich, neben der Optik besonders auf nutzbare Lüftungsöffnungen, Höhe, Luftvolumen und Verglasung zu achten.
01 • Temperatur
Was ist die ideale Temperatur im Gewächshaus?
Eine universelle Idealtemperatur gibt es nicht. Für ein gemischt genutztes Hobbygewächshaus ist die Unterscheidung zwischen kühlen und wärmeliebenden Kulturen sinnvoll. Salate, Spinat und viele Jungpflanzen arbeiten bei deutlich niedrigeren Temperaturen gut als Tomaten, Gurken, Auberginen, Basilikum, Paprika oder Chili. Auch Entwicklungsstadium und Lichtangebot verschieben den optimalen Bereich.
Für viele wärmeliebende Gemüsearten liegt ein komfortabler Tagesbereich grob zwischen etwa 20 und 27 °C, während die Nacht etwas kühler sein darf. Das ist jedoch kein starres Soll. Tomaten reagieren bei anhaltender Hitze mit schlechterem Fruchtansatz; Paprika kann bei ungünstigen Tages- oder Nachttemperaturen Blüten abwerfen; Salat schießt bei zu viel Wärme schneller.
Die wichtigste praktische Regel lautet daher: Definieren Sie das Klima über den Pflanzenmix. Ein Haus für Blattgemüse kann kühler gefahren werden. Ein Haus mit Tomaten, Paprika und Basilikum braucht mehr Wärme. Bei Mischkultur helfen Zonierung, ausreichend Abstand und eine wirksame Lüftung.
Die bessere Frage
„Welcher Temperaturbereich ermöglicht meiner konkreten Kultur gutes Wachstum, ohne Hitze-, Kälte- oder Feuchtestress zu erzeugen?“
02 • Tag und Nacht
Warum Tag- und Nachttemperatur getrennt betrachtet werden sollten
Am Tag treibt Licht die Photosynthese an, und Blätter können durch Sonneneinstrahlung wärmer werden als die umgebende Luft. Nachts stoppt die Photosynthese, während die Atmung weiterläuft. Ein moderates Tag-Nacht-Gefälle ist normal. Problematisch werden Nächte, die so kalt sind, dass der Stoffwechsel stockt, oder so warm, dass die Pflanze keine Erholungsphase erhält.
In klaren Nächten können Blätter und Verglasung durch Strahlung sogar unter die gemessene Lufttemperatur abkühlen. Für Kondensation ist genau diese Oberflächentemperatur entscheidend. Ein Blatt kann den Taupunkt erreichen, obwohl der Luftsensor noch einige Grad mehr anzeigt.
In kühleren Regionen ist das Abpuffern der Nachtkälte ein großer Gewächshausvorteil. In sehr warmen Lagen muss ein Haus im Sommer dagegen auch nachts Wärme abgeben können. Größeres Luftvolumen reagiert träger; Modelle wie das Bloomcabin Classic bieten dadurch andere Klimadynamik als eine sehr kleine geschlossene Einheit.
Ein Min-Max-Thermometer oder Datenlogger ist deshalb eines der sinnvollsten Werkzeuge. Ein einzelner Messwert am Mittag versteckt oft genau die beiden Zahlen, die Pflanzenreaktionen erklären: das gestrige Maximum und das nächtliche Minimum.
03 • Luftfeuchtigkeit
Was ist die ideale Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus?
Bei der Luftfeuchtigkeit sind einfache Pauschalwerte besonders irreführend. Relative Luftfeuchtigkeit ist temperaturabhängig: Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Bleibt die absolute Wassermenge gleich und sinkt die Temperatur, steigt die relative Feuchte. Deshalb kann ein am Nachmittag unauffälliges Gewächshaus wenige Stunden später nahe an der Sättigung liegen.
Die höchste Feuchte befindet sich häufig nicht am Eingang, sondern mitten im Pflanzenbestand. Dort geben Blätter ständig Wasser ab, während dichte Blattmasse die Luftbewegung reduziert. Ein Hygrometer an der Tür kann also akzeptable Werte zeigen, obwohl das Mikroklima zwischen Tomatenblättern bereits deutlich feuchter ist.
Für ein gemischtes Hobbygewächshaus ist ein moderater Arbeitsbereich sinnvoller als eine magische Prozentzahl. Sehr trockene Luft erhöht den Verdunstungsdruck und kann zu Welken führen. Sehr feuchte Luft verlangsamt das Abtrocknen, beeinträchtigt bei manchen Kulturen die Bestäubung und erhöht das Risiko von Kondensation und pilzlichen Krankheiten.
Die wichtigste Praxisregel: Lassen Sie das Gewächshaus nicht über lange Zeit nahe der Sättigung, vor allem nachts. Trockene Blattoberflächen und bewegte Luft sind als Krankheitsvorsorge meist nützlicher als das stündliche Festhalten an einem exakten RH-Wert.
04 • VPD
VPD: eine bessere Sicht darauf, was die Pflanze tatsächlich erlebt
Das Vapor Pressure Deficit, kurz VPD, beschreibt den Unterschied zwischen dem Wasserdampf, den die Luft bei einer bestimmten Temperatur maximal halten könnte, und der tatsächlich vorhandenen Feuchte. Für Pflanzen ist dieser Wert aussagekräftiger als die relative Luftfeuchtigkeit allein, weil er den Verdunstungsdruck auf das Blatt besser beschreibt.
Bei sehr niedrigem VPD ist die Luft im Verhältnis zu ihrer Kapazität sehr feucht. Die Transpiration verlangsamt sich und Blattoberflächen trocknen schlechter. Bei sehr hohem VPD ist die Luft stark trocknend; Wasser verlässt die Pflanze schnell und die Wurzeln müssen entsprechend nachliefern. Welcher Bereich günstig ist, hängt von Kultur und Entwicklungsstadium ab.
Hobbygärtner müssen dafür keine Gewächshaustechniker werden. Ein Sensor, der Temperatur und RH misst und Taupunkt oder VPD berechnet, reicht bereits aus, um Zusammenhänge zu erkennen. Wichtig ist vor allem: 70 % RH bei 12 °C bedeutet für eine Pflanze etwas anderes als 70 % RH bei 30 °C.
Einfach gedacht
RH beschreibt die Luft. VPD beschreibt besser, wie stark die Luft Wasser aus der Pflanze ziehen kann.
Darum braucht gute Klimasteuerung mehr als eine einzelne Zahl.
05 • Taupunkt
Taupunkt & Kondensation: warum ein trockener Nachmittag nachts zum nassen Gewächshaus werden kann
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Luft den enthaltenen Wasserdampf nicht mehr vollständig gasförmig halten kann. Kühlt Glas, Metall, Rohr oder Blatt unter diesen Wert, kondensiert Wasser. Die kältesten Flächen werden zuerst nass. Bei weiterer Abkühlung kann schließlich auch der Pflanzenbestand Kondenswasser tragen.
Diese Nässe ist nicht nur optisch störend. Tropfen von der Verglasung können Erde und Pflanzenreste verspritzen. Feuchte Blätter schaffen günstige Bedingungen für Botrytis und andere Erreger. Ein Gewächshaus, das jeden Abend völlig dicht geschlossen wird, um „alle Wärme zu behalten“, kann deshalb gleichzeitig ein Feuchteproblem erzeugen.
Die Lösung besteht nicht darin, die ganze Nacht weit offen zu lassen. Besser ist die Kombination aus angepasster Heizung, kurzen Feuchte-Lüftungsphasen, Luftumwälzung, morgendlicher Bewässerung, sauberem Boden und ausreichenden Pflanzenabständen.
Ein verbreiteter Irrtum
„Draußen ist es regnerisch – Lüften kann das Gewächshaus dann nicht trocknen.“
Doch, das kann funktionieren. Kalte, gesättigte Außenluft enthält häufig weniger absolute Feuchte als warme Gewächshausluft. Wird sie eingebracht und anschließend erwärmt, sinkt ihre relative Feuchtigkeit und sie kann zusätzliches Wasser aufnehmen.
06 • Klima nach Kultur
Praktische Ausgangspunkte für verschiedene Gewächshauskulturen
Die folgenden Werte sind praxisnahe Startpunkte für Hobbygewächshäuser, keine universellen Profi-Sollwerte. Sorte, Entwicklungsphase, Licht, Wurzeltemperatur und lokales Klima verändern das Optimum. Die Feuchtespalte beschreibt deshalb eine Strategie statt einer scheinbar exakten Prozentzahl.
| Kultur | Nützlicher Tagesbereich | Nachtstrategie | Feuchtestrategie |
|---|---|---|---|
| Tomaten | Etwa 18–27 °C für kräftiges Wachstum; anhaltende Hitze über ca. 32 °C kann Bestäubung und Fruchtansatz verschlechtern. | Etwas kühler als am Tag; dauerhaft kalte oder sehr warme Blütennächte vermeiden. | Moderat; nachts keine Sättigung und keine lang anhaltende Blattnässe. |
| Gurken | Warm; etwa 21–29 °C ist ein sinnvoller Bereich für viele Hobbykulturen. | Nachts ausreichend warm halten, damit das Wachstum nicht stockt. | Verträgt mehr Feuchte als viele Kulturen, braucht aber weiterhin Luftbewegung. |
| Paprika & Chili | Etwa 21–27 °C ist ein sehr brauchbarer Bereich; extreme Temperaturen mindern den Fruchtansatz. | Warme Nächte, aber während der Blüte keine dauerhaft heißen Nächte. | Moderat; sehr hohe Feuchte während Blüte und nächtliche Kondensation vermeiden. |
| Basilikum | Warm; etwa 21–29 °C unterstützt aktives Wachstum. | Vor kalten Nächten schützen; Basilikum reagiert empfindlich auf Kälte. | Moderat mit guter Luftbewegung; nasses Laub fördert Krankheiten. |
| Salat | Kühl; ungefähr 15–20 °C passt für viele Salatkulturen deutlich besser als Sommerhitze. | Kühle Nächte sind meist günstig, solange keine Kälteschäden drohen. | Nasse Blätter und stehende Feuchte vermeiden. |
| Erdbeeren | Moderate Temperaturen; je nach Sorte und Kulturphase breiter Bereich. | Kühlere Nächte passen gut, Frost während Blüte vermeiden. | Blüten und Früchte möglichst trocken halten; Luftbewegung ist wichtig. |
| Jungpflanzen | Kulturabhängig; nach der Keimung meist mäßig statt dauerhaft heiß. | Kalte Wurzeln ebenso vermeiden wie warme, lichtarme Nächte. | Zur Keimung höhere Feuchte möglich, nach dem Auflaufen reduzieren. |
Für kulturspezifische Details lohnt es sich, Temperaturtabellen immer mit lokalen Fachquellen und der Reaktion Ihrer eigenen Pflanzen abzugleichen.
07 • Jahreszeiten
Temperatur & Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus durch die Jahreszeiten in der Schweiz
Frühling: Die größte Gefahr ist, einen warmen Nachmittag mit einer stabilen Saison zu verwechseln. Beobachten Sie Nachtminimum und Wurzeltemperatur. Lüften Sie an sonnigen Tagen früh, denn selbst bei kühler Außenluft kann sich das Haus stark erwärmen. In der Schweiz unterscheiden sich Mittelland, Wallis, Tessin und Höhenlagen stark. In warmen Tälern ist sommerliche Überhitzung ein echtes Thema, während höher gelegene Gärten besonders von der Nachtwärme und Saisonverlängerung profitieren.
Sommer: Überhitzung wird zum dominanten Risiko. Lüften Sie früh und großflächig, sorgen Sie für Luftbewegung und nutzen Sie bei anhaltender Hitze Beschattung. In trockenen Regionen wird hoher VPD wichtiger, in feuchten Regionen die Kombination aus Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit.
Herbst: Das Feuchtemanagement gewinnt an Bedeutung. Warme Tage laden die Luft mit Wasserdampf, danach sorgt schnelles Abkühlen am Abend für steigende RH und Taupunktrisiko. Bewässerung mit sinkender Lichtmenge reduzieren und an milden Tagen weiterhin lüften.
Winter: Temperatur ist nur die Hälfte der Aufgabe. Wenig Licht reduziert Wachstum und Transpiration, während dicht geschlossene Verglasung Feuchte hält. Entscheiden Sie, ob das Ziel Frostschutz, kühle Winterkultur oder echte Warmkultur ist – diese drei Strategien haben völlig unterschiedliche Energie- und Lüftungsanforderungen.
08 • Luftaustausch
Lüftung ist die Klimaanlage, die Sie im Gewächshaus jeden Tag benutzen
Lüftung entfernt Wärme und Wasserdampf, bringt frisches CO₂ und verringert Temperaturunterschiede. Bei natürlicher Lüftung steigt warme Luft zu Dachöffnungen auf, während kühlere Außenluft durch Türen oder tiefere Öffnungen nachströmt. Ventilatoren können den Luftaustausch oder die Umluft unterstützen.
Für ein Hobbygewächshaus ist eine Kombination aus Dachfenstern, Türen bzw. unteren Öffnungen und innerer Luftbewegung meist wirksamer als ein einzelnes kleines Fenster. Automatische Fensteröffner sind besonders wertvoll, wenn ein sonniger Vormittag beginnt und niemand zu Hause ist.
Wenn Klimasteuerung Priorität hat, vergleichen Sie Konstruktionen mit gut nutzbaren Öffnungen und ausreichend Luftvolumen, zum Beispiel die Prestige-Serie oder ein Wandgewächshaus von Bloomcabin.
Dachfenster, Seitenöffnungen oder Türen?
Dachfenster: ideal, um aufsteigende Heißluft abzuführen.
Türen / tiefere Öffnungen: liefern Ersatzluft und erzeugen stärkere Querlüftung.
Umluftventilatoren: ersetzen den Außenluftaustausch nicht, reduzieren aber heiße, kalte oder feuchte Zonen.
Hochtunnel: arbeiten häufig stark mit passiver Lüftung; große Öffnungen sind deshalb besonders wichtig. Eine alternative Anbauform ist das Bloomcabin Hochtunnel-Gewächshaus.
09 • Hitzekontrolle
So kühlen Sie ein überhitztes Gewächshaus
Lüftung kommt zuerst. Beschattung entfernt keine bereits gespeicherte Wärme, sondern reduziert die neu eintreffende Sonnenenergie. Zusammen sind beide Maßnahmen sehr wirksam. Bei längeren Hitzeperioden kann ein Beschattungsnetz oder Sonnenschutzglas besonders für Jungpflanzen, Salat und sonnenbrandgefährdete Früchte sinnvoll sein.
Vergessen Sie die Wurzelzone nicht. Schwarze Töpfe auf dunklen Platten können wesentlich heißer werden als die Luft. Größere Behälter, Mulch, hellere Oberflächen und eine gleichmäßige Bewässerung reduzieren Stress. Starke Entlaubung unmittelbar vor einer Hitzewelle sollte vermieden werden.
In kleinen Konstruktionen ändert sich das Klima sehr schnell. Deshalb ist nicht nur das Modell, sondern auch das Luftvolumen entscheidend. Wer mehr thermische Trägheit und Arbeitsraum sucht, kann beispielsweise die Bloomcabin Orangerie vergleichen.
Reihenfolge beim Kühlen
1. Dachfenster und Türen früh öffnen.
2. Luftbewegung im Bestand erhöhen.
3. Beschattung ergänzen, wenn die Sonneneinstrahlung weiter zu stark ist.
4. Feuchte und Temperatur im Wurzelraum stabilisieren.
5. Pflanzen umstellen, wenn dieselbe Zone regelmäßig überhitzt.
10 • Feuchtekontrolle
So senken Sie zu hohe Luftfeuchtigkeit, ohne die Pflanzen zu schädigen
Früh gießen. Morgendliche Bewässerung gibt Blättern, Wegen und Flächen Zeit zum Abtrocknen.
Staunässe vermeiden. Jede Pfütze wird zu einer zusätzlichen Feuchtequelle.
Abstände einhalten. Dichte Bestände erzeugen feuchte Mikroklimata genau dort, wo Krankheiten beginnen.
Luft bewegen. Eine gleichmäßige Zirkulation reduziert Temperaturunterschiede und beschleunigt das Abtrocknen.
Auch bei kühlem Wetter Feuchte abführen. Kurze Luftwechsel können warme feuchte Innenluft durch absolut trockenere Außenluft ersetzen.
Oberflächen möglichst über dem Taupunkt halten. Wurzelwärme, Isolation und Umluft verringern kalte Flächen.
Späte Bewässerung reduzieren. Pflanzen sollten nicht mit nassen Blättern in die kühlste Nachtphase gehen.
Überflüssige Pflanzenmasse entfernen. Alte Blätter, Unkraut und überdichte Bestände erhöhen Transpiration und blockieren Luft.
11 • Messung
Wo sollten Temperatur- und Feuchtesensoren im Gewächshaus hängen?
Der wichtigste Sensor gehört ungefähr auf Höhe der Pflanzenkrone, also dorthin, wo Blätter das Klima tatsächlich erleben. Direkte Sonne auf dem Sensor vermeiden, sofern kein Strahlungsschutz vorhanden ist. Ebenso ungeeignet sind Positionen unmittelbar neben Heizung, Tür, Ventilatorauslass oder Dachfenster.
Für ein sehr kleines Gewächshaus reicht oft ein Sensor. Größere Häuser haben jedoch häufig mehrere Klimazonen: Sonnenseite, Schattenseite, Mitte, Rand und dichter Pflanzenbestand können sich unterscheiden. Wenn eine Kultur nur in einer Ecke Probleme zeigt, lohnt sich dort ein zweiter Datenlogger.
Bei einer großzügigen Konstruktion wie der Bloomcabin Orangerie sind mehrere Messpunkte sinnvoll, um Unterschiede zwischen sonnigem Ende, schattiger Zone, Mittelgang und Pflanzenkrone zu erkennen.
Ein praktisches Sensorset zeigt aktuelle Temperatur, RH, Tagesminimum und -maximum und möglichst auch Taupunkt oder VPD. Datenlogging ist besonders nützlich, weil es zeigt, wie schnell sich das Klima nach Sonnenaufgang, Bewässerung oder Fensteröffnung verändert.
12 • Häufige Fehler
Sieben Klimafehler, die mehr Probleme verursachen als viele Gärtner vermuten
13 • FAQ
FAQ zu Temperatur & Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus
Wie heiß ist zu heiß im Gewächshaus?
Das hängt von der Kultur ab. In einem gemischten Gemüsegewächshaus steigt das Hitzestress-Risiko deutlich, wenn die Temperaturen über längere Zeit in Richtung 30–35 °C und darüber gehen. Blüten und Fruchtansatz reagieren häufig früher als ausgewachsene Blätter.
Soll man bei Regen lüften?
Oft ja, besonders in einem beheizten Gewächshaus mit eingeschlossener Feuchte. Kühle gesättigte Außenluft kann weniger absolute Feuchte enthalten als warme Innenluft. Wird sie im Gewächshaus erwärmt, sinkt ihre relative Feuchtigkeit und sie kann Wasser aufnehmen.
Welche Luftfeuchtigkeit ist zu hoch?
Nicht nur die Prozentzahl entscheidet. Kritisch wird hohe RH vor allem dann, wenn die Temperatur Richtung Taupunkt fällt und Blätter über längere Zeit nass bleiben. Eine kurze Spitze ist weniger problematisch als eine fast gesättigte ganze Nacht.
Brauche ich einen Ventilator?
Nicht jedes kleine Gewächshaus braucht mechanische Umluft. Mit dichter werdendem Bestand wird sie jedoch wertvoller. Ventilatoren reduzieren stehende Zonen, ersetzen aber Dachfenster, Türen oder echten Außenluftaustausch nicht.
Ist ein größeres Gewächshaus leichter zu steuern?
Mehr Luftvolumen verändert die Temperatur meist langsamer als eine Mini-Konstruktion. Trotzdem bleiben Lüftungsfläche, Verglasung, Wind, Ausrichtung und Pflanzendichte entscheidend. Auch ein großes Haus mit zu kleinen Öffnungen kann überhitzen.
Eine praktische Wochenroutine
Fünf Minuten Klimabeobachtung können Wochen voller Probleme verhindern
1. Minimum der letzten Nacht und Maximum des Vortags notieren.
2. Wenn zwei Sensoren vorhanden sind, Gang- und Bestandsfeuchte vergleichen.
3. Morgens Glasflächen und Blätter auf Kondensation prüfen.
4. Kontrollieren, ob automatische Fenster zum richtigen Zeitpunkt geöffnet und geschlossen haben.
5. Vor einer Änderung der Bewässerung die Feuchte im Wurzelraum prüfen.
6. Pflanzenreaktionen beobachten: Blütenabwurf, weiches Wachstum, Blattrollen, Welken, Flecken oder ungewöhnlich langsame Reife.
Nutzen Sie zusätzlich die lokalen Bloomcabin Produktseiten als Planungshilfe: Gewächshaus-Kategorie und Classic Gewächshaus.
Abschließende Perspektive
Das beste Gewächshausklima ist keine Zahl – sondern ein kontrollierter Rhythmus
Ein Gewächshaus gibt Ihnen die Möglichkeit, Temperatur, Lichteinfall, Luftbewegung und Feuchte aktiver zu gestalten als im Freiland. Die Konstruktion allein steuert das Klima jedoch nicht. Entscheidend ist die Kombination aus Lüftung, Türen, Beschattung, Bewässerung, Pflanzenabstand, Umluft und Messdaten.
Wer Maximum, Minimum, Feuchtetrend, Taupunkt und Pflanzenreaktion gemeinsam betrachtet, arbeitet zunehmend vorausschauend. Man reagiert nicht erst auf welke Blätter oder tropfendes Glas, sondern verhindert die Bedingungen, die diese Probleme verursachen.
Bloomcabin Gewächshäuser entdeckenQuellen & weiterführende Informationen
- Agroscope — Energiesparen im gedeckten Anbau
- Agroscope — Bakterielle Tomatenwelke: Feuchte und Temperatur
- Agroscope — Gewächshauskulturen und Agri-PV
- LWG Bayern — Kleingewächshäuser
- Wageningen UR — Greenhouse climate and humidity
Dieser Leitfaden ist für Hobbygewächshäuser in der Schweiz geschrieben. Temperaturbereiche sind praxisnahe Ausgangspunkte, keine universellen Produktions-Sollwerte. Passen Sie sie an Sorte, Entwicklungsstadium, Standort, Gewächshausbauweise, Wurzelraum und die Reaktion Ihrer Pflanzen an.